Vorschläge zur Neugestaltung des Kaiser-Wilhelm-Platzes

 

1. Kaiser-Wilhelm-Platz: Vegetation als Oase der Ruhe:

Der Kaiser-Wilhelm-Platz ist an allen vier Seiten umgeben von Straßen mit mittlerem (Drake-, Hermannstraße) bis hohem Aufkommen an motorisiertem Verkehr (Bismarck-,  Paulinen­straße) mit rundum anschließender dichter Bebauung. In diesem Umfeld bildet der Platz in seinem gegenwärtigen Zustand eine wichtige „grüne Lunge“ und könnte eine „Oase der Ruhe“ innerhalb der Stadtlandschaft sein. Diese Qualitäten gilt es zu bewahren. -  Die Eigenschaften als „grüne Lunge“ und als „Oase der Ruhe“ sind im Wesentlichen der reichen Vegetation zu verdanken, nämlich – in aufsteigender Reihenfolge -: den Rasenflächen, den kleineren Gehölzstrukturen und den Bäumen. - Vor allem der reiche Bestand an großen alten Bäumen wirkt sich aufgrund deren bekannter „Wohlfahrtswirkungen“ positiv auf das eher naturferne städtische Umfeld aus.

 

2. Kaiser-Wilhelm-Platz als Luftfilter und Feinstaub-Bremse:
Die Luft-Reinigung ist die bedeutsamste dieser Wohlfahrtswirkungen: Das Laub wirkt als hoch-effektiver Luftfilter, der bis zu 70 % von Staub oder Schadstoffen aus der Umgebungsluft herausfiltert: ein großer alter Baum kann im Jahr bis zu 7.000 kg Staub aufnehmen.

Dass Detmold bisher keine ernsthaften Probleme mit
Feinstaub hatte, ist zu einem guten Teil mit dem Bestand an Grün in der Innenstadt zu erklären. Das höchste Feinstaubrisiko dürfte im Bereich der Einmündung Bielefelder Straße in die Paulinenstraße liegen – umso besser, dass sich die grüne Lunge Kaiser-Wilhelm-Platz in der Nachbarschaft befindet.
 

3. Stadtbäume und Klimawandel:

Eine zunehmend wichtige Funktion: Bäume „klimatisieren“ Städte und mildern so die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels, indem sie u.a.  der gesundheitsschädlichen Überhitzung der Innenstädte entgegenwirken. Deshalb empfiehlt z. B. der Deutsche Städtetag: „Der innerstädtische Baumbestand sollte nachhaltig gesichert und weiterentwickelt werden“. 

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4. Weitere Wohlfahrtswirkungen von Bäumen:

  • Produktion von Sauerstoff, also Atemluft;
  • CO2-Bindung,
  • ausgleichende Wirkung auf den Wasserhaushalt,
  • Bodenschutz,
  • Lärmschutz,
  • Lebensraum für Kleintiere,
  • „Natur in der Stadt“,
  • Belebung und Gliederung des Stadtbildes

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5. Daraus folgt: Baumbestand als unverzichtbarer Bestandteil des Kaiser-Wilhelm-Platzes:

Aus all dem ergibt sich die klare Forderung: Der Vegetationsbestand  des Kaiser-Wilhelm-Platzes ist mindestens in seinem gegenwärtigen Umfang vollständig zu erhalten. Das bedeutet nicht unbedingt eine Erhaltung der gegenwärtigen Strukturen.

Sinnvoll ist es
den vorhandenen Baumbestand als solchen im Wesentlichen zu erhalten (was vereinzelte Fällungen mit Ersatz an anderen Stellen nicht ausschließt). Beim ersten Werkstattgespräch wurde vom Planer ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Bäume auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz in ihrer Mehrheit gesund und standfest sind. Und: dass der Platz inklusive Baumbestand unter Denkmalschutz steht, dass sich insofern eine Beseitigung der Bäume verbietet. Vor allem aber spricht gegen eine Dezimierung des Baumbestandes der erwähnte besonders hohe ökologische Wert von großen alten Bäumen. Um eine 100jährige, 20 m hohe Buche mit 12 m Kronendurchmesser zu ersetzen, müssten etwa 2.000 junge Bäume nachgepflanzt werden. -
 

6. Auch kleine Vegetationsstrukturen sind wichtig: Die wichtigsten Wohlfahrtswirkungen verdanken wir den großen alten Bäumen. Dennoch sollte darüber der entsprechende Beitrag auch anderer Vegetationselemente – von Rasen über Kleingehölz bis hin zu Hecken – nicht unterschätzt werden. Wir verweisen auf den hohen ökologischen Wert von (Natur-)Hecken. Vor allem im Winter – wenn das Smogrisiko besonders hoch ist – können immergrüne Pflanzen, wie z. B. auch manche Bodendecker, einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung leisten.

Die vielen
kleineren Gehölzstrukturen auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz können und sollten in Anordnung und Artenzusammensetzung grundlegend neu gestaltet werden, wobei die derzeitige Vegetation in ihrem Umfang soweit nicht erhalten so doch ersetzt werden sollte.

 

7.  Unterschiedliche Ansprüche an die Artenzusammensetzung:
Bei der künftigen Artenzusammensetzung dieser kleineren Vegetationsstrukturen (sowie auch event. neu zu pflanzender Bäume) sollte ein vernünftiger Kompromiss gesucht werden zwischen:

  • dem ökologisch Wünschenswerten: heimische, standortgerechte Arten mit hohem Lebensraumpotential (als Futterpflanzen oder Lebensraum für Kleintiere)
  • der Notwendigkeit, auf „klimaangepasste“ Arten zurückzugreifen (die also die künftigen, durch den Klimawandel veränderten Umweltbe­dingungen vertragen: Hitze, Trockenheit, verändertes Spektrum potentieller Schädlinge ….) und
  • dem Bestreben, den Parkcharakter zu erhalten bzw. neu zu betonen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität zu steigern: ansprechende, attraktive blühende Stauden und Gehölze, etwa auch Strauch-Rosen
     
aus dem Kaiser-Wilhelm-Platz-Prospekt der Stadt Detmold

8. Kaiser-Wilhelm-Platz als Lebensraum:

 

Es stimmt: der Klimawandel ist in vollem Gange, und womöglich dauert es wirklich nicht mehr lange, bis wir in Detmold afrika-ähnliche Verhältnisse haben und der Kaiser-Wilhelm-Platz zum Habitat für das exotische Hippopotamus amphibius, das Fluss- oder Nilpferd, werden könnte. –


 

 

Aber vorerst haben die Baumfreunde Detmold eine andere Vision:  den Kaiser-Wilhelm-Platz als Lebensraum  für Bläuling, Schiller­falter, Landkärtchen, Pfauenauge, und Schwalbenschwanz, also für heimische Schmetterlinge, sowie für Hummeln, Käfer und viele andere Kleintiere.

 

 

Das heißt:

Im Zuge einer Neugestaltung sollte der Kaiser-Wilhelm-Platz auch ökolo­gisch aufgewertet werden: als natürlicher Lebensraum für viele Arten der heimischen Fauna und Flora.

Dazu schlagen wir vor:

Entlang einer der Parkgrenzen wird ein „
Lebensraumstreifen“ angelegt, der im Wesentlichen aus einer Naturhecke besteht, ergänzt durch unterschiedliche Kleinstrukturen, die vielfältige Lebensräume für Pflanzen, Insekten, Vögel und Kleintiere bilden (Steinhaufen, ggf. Trockenmauer, Totholz, …). – Sollte der Parkplatz an der Heinrich-Drake-Straße erhalten bleiben, so böte sich an, einen solchen Streifen entlang der südlichen Parkgrenze als Pufferzone zum Parkplatz einzurichten; gut vorstellbar dafür wäre aber auch der westliche Rand (Richtung Hermannstraße). – Durch Infotafeln könnte dieser Ökostreifen zum „Lebensraum-Lehrpfad“ aufgewertet werden. – Ggf. könnte durch Patenschaften (von Schulklassen oder auch Vereinen u. ä.) der pädagogische Effekt verstärkt (und der Pflegeaufwand des Eigentümers reduziert) werden.

 

9. Kaiser-Wilhelm-Platz vom Autoverkehr entlasten!
Die dichte Bebauung und vor allem das hohe Verkehrsaufkommen rund um den Kaiser-Wilhelm-Platz beeinträchtigen den ökologischen Wert (isolierter Lebensraum) und vor allem auch die Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität (à Erholungswert) des Platzes.

Eine spürbare Reduzierung des rundum fließenden Verkehres scheint derzeit kaum zu verwirklichen. Umso wichtiger, den Park wenigstens vom ruhenden Verkehr zu entlasten: durch eine
Reduzierung der Stellflächen rund um den Platz. Als kurzfristig umzusetzende Mindestmaßnahme muss die für Stellplätze genutzte Fläche zwischen Paulinenstraße und Christuskirche von Autos freigehalten, entsiegelt und der Erholung und der Natur zurückgegeben werden.

 

10. Parkwege: für Denkmalschutz und umweltfreundliche Mobilität
Eine Umgestaltung sollte sich – im Interesse des Denkmalschutzes - auf das  historische sternförmige Wegesystem (mit wasser­gebundenen Oberflächen) zurückbesinnen. Zudem verbessert dies durch diagonale Verbindungen die Passierbarkeit des Platzes für Fußgänger und Radfahrer. Eine Querung auf der Achse Grabbestraße – Elisabethstraße + Richtung Bahnhof wäre ein wichtiges Element eines fußgänger-/radfahrerfreundlichen innerstädtischen Wegenetzes. Unabdingbar dafür ist eine fußgänger-/radfahrerfreundliche Querung der Paulinenstraße in Höhe der Grabbestraße, z. B. durch eine Mittelinsel.

 

11. Ökologische Vernetzung:
Neben der verkehrlichen wäre mittelfristig eine bessere ökologische Vernetzung mit anderen „Grünen Lungen“ wünschenswert. Vor allem der Schlossplatz sollte durch Grünachsen mit dem Kaiser-Wilhelm-Platz besser verbunden werden. Dafür müsste das  vorhandene Straßengrün in der Bismarck- und der Grabbestraße bewahrt, ergänzt und nach Möglichkeit vermehrt werden.
 

12. Kaiser-Wilhelm-Platz als Naherholungspark:

Die Aufenthaltsqualität auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz sollte verbessert werden, um so die Nutzung des Platzes (gerade auch in seiner Eigenschaft als Denkmal) zu fördern. Dem dienen die bereits genannten Maßnahmen. Darüber hinaus wäre vorstellbar bzw. wünschenswert:

  • Erhaltung und ggf. Weiterentwicklung des vorhandenen Spielplatzes,
  • entsprechende Einrichtungen für andere Altersgruppen (z. B. Skaterbahn für Jugendliche – bei einer Renaturierung von Parkplätzen (à 9) würden potentielle Flächen verfügbar), 
  • Wasser als attraktives Gestaltungselement, z. B. in Form eines Brunnens im Zentrum des historischen stern­förmigen Wegesystems (ggf. nach historischem Vorbild),
  • ein gastronomisches Angebot („Kaffeetrinken auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz“), als Angebot (nicht nur) für Familien mit Kindern idealerweise in Nachbarschaft des Spielplatzes; es sollte geprüft werden, inwieweit dafür einer der vorhandenen Pavillons genutzt werden könnte, und / oder inwieweit bei benachbarten Betrieben (Café Burre) Interesse an einer Bewirtschaftung des Platzes besteht.

     
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